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Serie forstliche Subsidien: Seilkraneinsatz

Im neuen Règlement grand-ducal zur forstlichen Förderung gibt es die Möglichkeit, Subsidien für den Einsatz vom Seilkran zu beziehen. Die Holzernte im Steilhang ist schwierig, und wenn keine Wege vorhanden sind ist der Seilkran oft die einzigste Möglichkeit das Holz überhaupt an die Straße zu bekommen.

Holzernte im Hang und auf Sonderstandorten

Generell kann man Seilkräne zur Holzernte mit einer Seilbahn (Sessellift) wie manch einer sie aus dem Urlaub kennt, vergleichen, nur dass diese eben nicht stationär sind sondern mobil auf- und abgebaut werden können. Im Allgemeinen herrschen im Hang und im Steilhang schwere Bedingungen für die Holzernte: Ernte- und Rückemaschinen schaffen es nicht ohne Schlupf (Wühlen) den Hang hinauf zu fahren oder rutschen ab beim bergabfahren, egal wie gut die Wetterbedingungen sind. Dies ist je nach Bodengegebenheit ab 30-45% Hanglage die Regel, so dass man auf alternative Systeme ausweichen muss. Des Weiteren ist es situationsbedingt nicht möglich eine Fläche zu befahren, etwa wenn ein Fluss oder Bach den Weg versperrt oder Sonderstandorte wie Moore, Sümpfe oder geschützte Biotope vorliegen. Auch schwere lehmige Böden sind mangels Frostperioden im Winter zur Zeit der Holzernte häufig nicht befahrbar. Somit kann man die Holzernte mittels Seilkran im Hang wie auch im Flachland eine echte Alternative bieten.

Handelt es sich um einen eher kurzen Hang oder flaches Gelände mit geringer Erschließung, kann ein Traktor mit Seilwinde eine Lösung bieten, um das Holz aus dem Hang zu kriegen. Das Stahlseil muss jedoch von Hand zum Stamm gezogen werden, und jeder Waldbesitzer der ein solches Gerät besitzt wird bestätigen dass es wesentlich leichter ist dieses Seil bergab anstatt bergauf zu schleppen. In der Gegenrichtung gilt gleiches: einen Stamm mit der Seilwinde kann man mit mehr Kontrolle den Hang hinauf ziehen als ihn nach unten zu ziehen, hier kann es vorkommen dass der Stamm unkontrolliert herunterschießt. Erschließungsbedingt kann es aber sein dass es nur einen Zugangsweg gibt, und dieser kann ober- oder unterhalb der Parzelle liegen, so dass die Seilwinde doch nicht eingesetzt werden kann. Die Reichweite eines rationalen Seilwindeneinsatzes (20-50m) ist vor allem der begrenzende Faktor.

Seilkräne: von klein bis ganz groß

Bei den Seilkränen gibt es ein generelles Prinzip, welches mit mehreren technischen Varianten ausgelegt werden kann. Anstatt das Holz über den Boden zu ziehen, wird es zumindest teilweise in die Luft gehoben und so aus dem Bestand befördert. Hierzu sind mindestens ein Tragseil notwendig, über welches die Last bewegt werden kann, und ein Zugseil, an dem die Last (der Holzstamm) angehängt wird. Das Tragseil wird separat und stehend, also fest angebracht zwischen Start- und Endpunkt (Mastbäume), sowie an eventuell mehreren notwendigen Stützbäumen. Ankerbäume dienen zum Absichern der Anlage. Auf dem Tragseil fährt ein Schlitten oder Laufwagen, welcher das Zugseil führt.

Dieser Schlitten kann mit Klemmbacken ausgerüstet sein (funkgesteuert) und je nach Modell mit einem oder zwei weiteren Seilen (bergauf und bergabfahren) ausgestattet sein. Bei kleineren Seilkrananlagen (Zwei-Seil-Systeme) wird das Tragseil zwischen Anker- und Stützbäumen befestigt, und das Zugseil hängt an einer Winde. Hier sind Seilstrecken von bis zu 400m Länge möglich, und es können bis 1,5 Tonnen damit bewegt werden. Bei größeren Anlagen werden sogenannte Mobilseilkräne eingesetzt (Kippmastgeräte). Hierbei sind ein Mast, die Winde und eine Antriebseinheit auf einem LKW montiert, und es können bis zu 4 Tonnen über 800m transportiert werden. Natürlich gibt es auch noch größere Einheiten. Bei Langstreckenseilbahnen können bis zu 1,5km abgespannt werden, allerdings werden diese in Luxemburg keine Verwendung finden, so dass an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen werden soll.

Arbeitsablauf im Seilkranverfahren

Oberstes Gebot beim Einsatz von Seilkränen, egal ob klein oder groß, ist eine sorgfältige Einsatzplanung. Das beginnt mit der Erfassung der Erschließungssituation, aus der sich auch die Transportrichtung ergibt. Als nächstes müssen die Trassenabstände ausgewählt und markiert werden. Bei Vornutzungen können 20-30m Trassenabstand verwendet werden, bei Endnutzungen 40m. Es müssen ausreichend stark dimensionierte Anker- und Stützbäume auf den Trassen vorhanden sein, und ebenso Verankerungsmöglichkeiten für Abspannseile.

Systeme ab 3 Seilen können sowohl kontrolliert bergauf als auch bergab und im Flachland arbeiten, je Seil ist eine Winde notwendig. Bei Zwei-Seil-Systemen läuft der Laufwagen gravitationsbedingt, das bedeutet dass der Schlitten durch sein eigenes Gewicht über das Tragseil bergab läuft, und mit der Winde wieder hochgezogen wird. Hieraus ergibt sich die Hiebsrichtung in der Trasse. Die Bäume werden dann fischgrätenartig zur Trasse gefällt.

Bei Kippmastgeräten befinden sich mittlerweile häufig ebenfalls Kräne mit einem Prozessorkopf, so dass hier häufig nur die Fällung motormanuell erfolgt, das Holz als Vollbaum geseilt wird und am Kippmastgerät aufgearbeitet wird. Alternativ kann das auch durch einen separaten Harvester erfolgen, wenn die Platzsituation es erlaubt. Häufig jedoch erfolgt die Aufarbeitung bereits im Bestand, und es werden dort auch Sortimente ausgeformt. Diese Herangehensweise ist zwar weniger produktiv, aber es verbleibt mehr Astmaterial auf der Fläche und das Kurzholz schwebt in der Regel ohne den Boden zu berühren. Die Fällung und gegebenenfalls Aufarbeitung kann zeitlich getrennt von der Seilung erfolgen.

Je nachdem, ob sich am Ende der Seiltrasse eine LKW-befahrbare Straße oder ein Rückeweg befindet, wird das Holz in Abhängigkeit der Ausformung (Kurz- oder Langholz) mit entsprechenden Maschinen weitertransportiert, oder es kann, falls das Gelände es erlaubt, direkt aufgepoltert werden. Oft ist es aber so dass gerade die Hangwege zwar für eine Befahrung mit Erntemaschinen ausreichen, aber nur wenig Platz zur Holzlagerung vorhanden ist.

Förderungskonformer Einsatz von Seilkränen in Luxemburg

Um in den Genuss der Förderung für einen Seilkraneinsatz zu kommen, muss sich der Waldbesitzer an bestimmte Angaben halten. Das aktuelle Projet de règlement sieht eine Bezuschussung von 25€/m3 vor, wenn die Arbeiten auf folgende Art und Weise durchgeführt werden:

  • das Holz muss motormanuell geschlagen werden (nicht durch Harvester)
  • das Holz muss bis zum Endmast geseilt werden, wo es weiter bearbeitet werden kann (Aufastung, ablängen)
  • die Spitzen müssen im Bestand verbleiben, also vor dem Seilen abgezopft werden (ab 5cm)
  • der betroffene Bestand darf nicht befahren werden
  • es müssen mindestens 50m3 Holz anfallen, außer es handelt sich um eine geförderte Erstdurchforstung
  • der Betrag wird um 25% erhöht wenn eine Gruppe von Waldbesitzern sich zusammenschließt und mindestens 1ha Waldfläche im gleichen Waldgebiet durchforstet wird

Für Waldparzellen, die aufgrund der topographischen Situation (Hang) also noch nicht durchforstet wurden, bietet sich hier eine gute Gelegenheit von dieser Technologie zu profitieren. In Abhängigkeit von der Größe  und Lage der Waldparzellen bietet sich hier die Gemeinschaftsdurchforstung besonders an, um von der zusätzlichen Fördererhöhung Nutzen zu ziehen. Im Idealfall wird nämlich ohnehin eine weite Trassenlänge genutzt, um pro Trasse möglichst viel Holz zu ernten. Der Aufbau einer Trasse ist nämlich mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden (ca ½ Tag für 400m), so dass sich der Aufwand auch lohnen muss. Aufgrund der Kleinstparzellierung in Luxemburg kann man davon ausgehen dass sowieso  mehrere Waldbesitzer zwischen dem oberen und unteren Punkt einer Trasse liegen werden.

Kleinseilbahn für den Privatwald

Die Mitarbeiter von Lëtzebuerger Privatbësch hatten im Juni die Gelegenheit beim Besuch der KWF-Tagung in Bayern in für den Klein-Privatwald konzipiertes Seilkransystem in Aktion zu erleben. Der Aufbau ist denkbar simpel: An einem kleinen landwirtschaftlichen Schlepper wurde eine  3-Punkt-Anbauwinde mit Bremseinrichtung (wichtig) montiert, in diesem Fall handelte es sich um eine Maxwald A300XL. Ein sehr einfacher Laufwagen des gleichen Herstellers  lief auf dem Tragseil bergab, um durch einen verschiebbaren Stopper an der gewünschten Position stehen zu bleiben.

Durch dieses sehr einfache System können auch Privatwaldbesitzer in den Genuss von Seilkrantechnik kommen. Ein gewöhnlicher landwirtschaftlicher Schlepper kann hierzu eingesetzt werden, und je nach Bremseinrichtung können evtl. vorhandene Seilwinden ebenfalls genutzt werden. Der Auf- und Abbau einer Trasse ist jedoch nicht zu unterschätzen, vor allem da man Anker- und Stützbäume besteigen muss um das Tragseil anzubringen. Dazu sind ebenfalls eine Kletterausrüstung und –erfahrung notwendig. Ein Funkset zwischen Maschinist an der Seilwinde und dem Arbeiter der im Hang die Stämme anhängt komplettiert die Ausstattung.

Im besichtigten Bestand, wo das zu entnehmende Holz einen durchschnittlichen Mittendurchmesser von 17,2cm hatte, konnte eine Rückeleistung von 3,6fm/h erreicht werden, die Trassenlänge betrug 250m.  Mit einbezogenen Lohn- und Maschinenkosten kommt man auf Gesamtholzerntekosten von ca. 54€/fm, hierin sind auch die Kosten für die Fällung, Aufarbeitung und Transport mit dem Forwarder einbegriffen. Die angewandten Stunden- und Maschinenkosten liegen dabei nur sehr geringfügig unter jenen die in Luxemburg Anwendung finden.

Das Verfahren kann, gerade im Privatwald, eine Lösungsmöglichkeit bieten, wenn das Gelände eine spezielle Holzerntetechnologie erfordert und konventionelle Techniken keine Anwendung finden können. Die anfallenden Holzerntekosten lassen einen positiven Deckungsbeitrag zu, so dass die Motivation wieder steigt, auch im steilen Gelände die Holzernte und Waldpflege durchzuführen.  Da die Anschaffungskosten recht gering sind, kann es eine sinnvolle Ergänzung des Maschinenparks von Waldbesitzern oder Forstunternehmern bieten. Für einen sicheren Einsatz sind jedoch dementsprechende Weiterbildungen, Übungszeiten und Einweisungen notwendig.

Kippmastgerät und Bagger mit Prozessorkopf Quelle www.meier-elektronik.ch
nicht jeder Boden ist befahrbar Quelle www.fotowild.de
Anbauseilkran im Flachlandeinsatz Quelle www.fotowild.de
Laufwagen Quelle www.wyssenseilbahnen.com
Maxwald Seilwinde